Das Herz im Exil

Das Herz im Exil

Ein Roman von Manuela Marx.


Wie man im Leben mit Enttäuschungen umgeht und sich TROTZDEM glücklich fühlen kann, ist das übergeordnete Ziel dieses Romans. Es ist die Geschichte einer Deutschen im amerikanischen Exil, die das eigene Herz aus dem Exil befreit, indem sie sich dazu entscheidet, von nun an glücklich zu sein . Der Roman regt dazu an, sich selbst besser kennen zu lernen und das eigene Potential der Wunscherfüllung zu entdecken.Die Romanform hilft dem Leser, sich in die Hauptfigur Claudette hineinzuversetzen und anhand ihres Beispiels wichtige Erkenntnisse für sich selbst zu gewinnen. Der Leser verfolgt die vielschichtigen Gedanken und Erfahrungen Claudettes, die dem Prozess des Glücklichseins zugrunde liegen. Die Autorin bedient sich einer kraftvollen, kreativen und menschlichen Sprache, die unzensiert an den Gedanken von Claudette teilhaben lässt. Somit ist das Buch auf der einen Seite unterhaltsam und dient auf der anderen Seite als praktisches Lehrbuch. Es ist interessant für alle Menschen, die sich in ihrem Leben festgefahren fühlen und bereit sind, Veränderungen vorzunehmen, um glücklicher zu werden. Das Buch enthält Wissen, mit dem man gut das Manifestieren lernen kann. Feng Shui, Reiki und auch Theorien der Quantenheilung sind Teil der Geschichte.

Das Buch wurde innerhalb von nur 15 Tagen (Original auf Englisch) im Rahmen des National Novel Writing Month (www.nanowrimo.org) geschrieben.
Dies alleine soll als Beweis dafür dienen, dass man alles erreichen kann, was man WILL, wenn man sich darüber im Klaren ist, WAS MAN WILL.

 

Dieses Buch wird bei Books on Demand (www.BoD.de) verlegt.
Es hat 248 Seiten und wird als Paperback gedruckt.
Preis: 16,50 Euro
(zzgl. Versand, wenn es bei mir bestellt wird)


Größere Bestellungen werden gerne angenommen. Bei genügend Bestellungen insgesamt kann der Preis etwas günstiger werden.
Es lohnt sich ab 25 Exemplaren.

Erhältlich u.a. bei www.Amazon.de, www.bod.de, www.bol.de , www.libris.de , www.libreka.de, www.buecher.de, etc. und auch im normalen Buchhandel bestellbar.

 

Einleitung

Dieses Buch zu schreiben war eine große Mutprobe für mich, genauso wie es eine Herausforderung für viele andere internationale Autoren war, im November 2003 im Rahmen eines internationalen Schreibwettbewerbes einen Roman von mindestens 50.000 Wörtern Länge zu schreiben.
Ich wurde auf www.NaNoWriMo.org (Notional Novel Writing Month) am 14. November aufmerksam gemacht, also hatte ich durch diese späte Entdeckung nur noch 15 Tage übrig, um meinen Roman zu schreiben.
Als Deutsche war ich zusätzlich noch mit der Schwierigkeit, in einer Fremdsprache zu schreiben konfrontiert. Aber ich wollte unbedingt diese Herausforderung annehmen und mir selbst beweisen, dass ich das ‚Unmögliche’ schaffen kann.
Jetzt bin ich glücklich und fasziniert, dass ich mir selber und auch Ihnen, meine lieben Leserinnen und Leser zeigen kann, dass es wirklich nichts gibt, das wir nicht erreichen können – nicht einmal das eigene Leben zu verändern oder einen Roman in 15 Tagen zu schreiben!

Da mich Zufälle dazu geführt hatten, dieses Buch zu schreiben, war es mir von Anfang an klar, dass Zufälle auch in meiner Geschichte eine wichtige Rolle spielen würden. Viele der Zufälle in diesem Buch sind mir im wirklichen Leben so oder ähnlich passiert, obwohl natürlich diese Geschichte vollkommen fiktiv ist.
Wunderbare Zufälle sind mir auch besonders während der Zeit des Schreibens passiert.  Aufgrund des Zeitdrucks, wurde ich dazu gezwungen, all meine Erwartungen, die ich an die Handlung hatte, abzulegen. Jeder Tag des Schreibens war wie ein kleines Abenteuer für sich. Ich wusste am Tagesende nie, wie die Handlung am nächsten Tage weiter gehen würde. Oftmals gaben Zufälle auch hier wieder den Impuls, einem speziellen Gedanken nachzugehen. Ich habe mich am Ende SELBST mit der Geschichte überrascht!
Nachdem ich die Geschichte abgeschlossen hatte, schickte ich einer Freundin eine kurze Email, um ihr zu schreiben, dass ich den Roman mit dem Text des berühmten BEATLES Liedes ‚All you need is love’ abgeschlossen hatte. Diese Freundin schrieb mir verwundert zurück und erklärte mir, dass sie genau in dem Moment, als sie meine Email geöffnet hatte, zufällig ‚All you need is love’ im Fernsehen gehört hatte.
Wir waren uns beide einige, dass dieser Zufall nur ein gutes Omen für mein Buch sein konnte – zumal in meinem Buch gerade diese ‚zufällig gehörten Lieder’ eine wichtige Rolle spielen.

Ich freue mich, wenn Sie diese Geschichte als Anstoß dafür nehmen können, Ihrem Glück zu folgen und sich trauen, das ‚Unerreichbare’ erreichen zu wollen.
Mögen auch Sie den Reichtum an Zufällen und Liebe in Ihrem Leben genießen lernen!

 

1. Kapitel

Die unerträgliche Beschaffenheit
eines durchschnittlichen Morgens



Es war ein eintöniger Tag für Claudette. Sie war die ganze Nacht auf gewesen um herauszufinden, wie sie den Wellen der Panik, die in ihr immer wieder emporstiegen, Einhalt gebieten konnte. Irgendwann musste sie dann zwischen 4 und 5 Uhr morgens eingeschlafen sein. Um 7 Uhr wurde sie wieder ungnädig von ihrem Wecker aus einem gruseligen Traum geweckt.
Letzte Nacht hatte sie sich geschworen, dass sie von nun an glücklich sein wollte, egal wie grässlich ihre letzten zwei Jahre gewesen waren. Sie hatte genug. Aber so sehr sie nun auch versuchte, einen positiven Gedanken zu fassen, das tiefe Gefühl der Leere klebte an Ihrer ganzen Existenz wie glibberiges Pech. 
Claudette hatte sich noch nie so penetrant schrecklich gefühlt. Sie wusste, dass man sich glücklich fühlen konnte und das es erreichbar war, aber gerade in diesem Moment erschien ihr der Gedanke, dass sie sich irgendwann vielleicht glückselig fühlen würde völlig absurd. Egal wohin sie sich drehte, wohin sie auch schaute, ihr blies der ekelige, muffige Gestank der Gleichgültigkeit ins Gesicht.
„Ach, egal!“ seufzte sie. „Ich denke, ich werde wohl einen Tag weiter leben!“

Mit trockenen Augen und zitternd vor Schlafentzug, bahnte sie sich ihren Weg in die Küche, um dort die Kaffeemaschine für 2 Tassen Kaffee zu laden. Sogar der leckere Starbucks French Roast Kaffee kitzelte diesen Morgen keinen ihrer Geschmacksnerven. 

Sie fragte sich, wann sie das letzte Mal den Geruch von Kaffee so richtig genossen hatte. Es musste Wochen her gewesen sein, vielleicht sogar Monate. Während sie den Kaffee unenthusiastisch herunterschluckte, versuchte sie sich weiterhin daran zu erinnern. Bilder schwebten vor ihrem inneren Auge vorbei, Frühstück um Frühstück, aber alles schien grau und ohne Detail zu sein.

„Ich kann mich noch nicht einmal daran erinnern, wann ich das letzte Mal genossen habe, einen Kaffee zu trinken!!“ schrie sie verzweifelt, fast schon panisch. Wie nannte man ihren Zustand noch? War sie depressiv? War das nur ein normales ‚Tief’, wie es jeder einmal hat? Hatte sie Heimweh?

Während sie zum Kühlschrank herüber ging, um jenen nach Nahrungsmitteln zu überprüfen, welche sie eventuell mögen könnte, auch wenn die Chancen, dass dies passieren würde herzlich gering waren, kam ihr plötzlich das Bild eines Mannes in den Sinn. Sie kannte diesen Kerl! Wo hatte sie ihn bloß gesehen? Sie konnte sich an das Gesicht erinnern, aber  keinen Namen mit dem Gesicht in Verbindung bringen. Sie musste diesen Mann nur kurz getroffen haben. Vielleicht hatte sie ihn einmal in einem Supermarkt gesehen? Hatten sie sich unterhalten? Nein. Sie konnte sich einfach nicht erinnern. Jedenfalls hätte sie sich bestimmt gerne mit ihm unterhalten, dachte sie sich, weil er sehr gut aussehend war. Er hatte lange, lockige braune Haare, eine schlanke Figur, dunkle Augen und eine geheimnisvolle Ausstrahlung.
Claudette war sich nun sicher, dass sie sich niemals im Leben  mit ihm unterhalten haben konnte. Sie wäre viel zu nervös gewesen, um nur „Hallo“ zu sagen.

Ihre Gedanken fingen schon an, sie zu überlisten. Warum, um alles in der Welt, ließ ihr Gehirn sie das Gesicht dieses Fremden erinnern? Sie beschwerte sich nicht wirklich darüber, weil es ihr seltsamerweise half, sich etwas besser zu fühlen. Der Gedanke daran, mit einem so hübschen Mann zu sprechen wäre wirklich eine Erfahrung für sich.

Claudette schaute sich in ihrer Küche um. Hatten sich die Farben des Wandanstrichs verändert? Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass die Farbe, die sie vor zwei Jahren bei ‚Home Depot’ ausgesucht hatte, einen solch strahlenden, orangen Schimmer gehabt hatte. Sie hätte schwören können, dass es eine mehr schlammig-braune Farbe gewesen war. Warum war ihr das nie vorher aufgefallen?

(...)
Eines Tages würde sie herausfinden, wie sie erreichen konnte, sich besser zu fühlen. Sie wartete immer noch auf eine Inspiration. Sie wusste, sie konnte nicht so weiter machen. Seit diesem Morgen war sie fest entschlossen, sich besser fühlen zu wollen, glücklich sein zu wollen. Einen kurzen Moment lang war sie heute sogar glücklich. Vielleicht,  wenn sie sich wirklich bewusst dafür entschloss, glücklich sein zu wollen, würde es ihr mehr Energie geben dies auch zu erreichen. Immer dann, wenn sie wirklich am Boden zerstört gewesen war, wenn sie am Nullpunkt angelangt war, hatte sie angefangen, zu beten. Vielleicht würde es ihr jetzt auch helfen, zu beten.

Als sie diesen Abend zu Bett ging uns so neben ihrem Mann lag, der sich nicht darum bemühte, sie einmal in den Arm zu nehmen, während sie einschlief, fiel Claudette ein, was im Moment ihr größter Wunsch war. Der Kontrast, den sie zwischen ihrem Wunschdenken und der traurigen Realität erkannte, drängte sie dazu, ein Gebet zu formulieren:

„Lieber Gott, bitte hilf mir! Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich bin in einem Gefühl der Mittelmäßigkeit und des Unglücklich-Seins gefangen. Kannst Du mir einen Weg aufzeigen, wie ich wieder glücklich werden kann? Ich möchte mich wieder geliebt fühlen, ich möchte jeden Moment meines Lebens genießen können, ich möchte aus meinem langweiligen Leben ausbrechen. Ich möchte einen Unterschied machen! Ich möchte wissen, was ich gerne machen will! Ich will wissen, was meine Person ausmacht! Ich möchte wissen, wer ich bin! Ich danke Dir für Deine liebevolle Führung!“
Claudette bedankte sich immer bei Gott, wenn sie betete. Sie dachte, dass Dankbarkeit das mindeste war, was sie Gott entgegenbringen konnte, wenn er sich schon darum kümmerte, ihre Gebete zu erhören.

Nach einer scheinbar endlosen Zeit des Schlafens, bemerkte Claudette plötzlich, dass sie träumte.
 „Wie seltsam! Ich weiß, dass ich träume, aber alles scheint so real zu sein. Ich kann hier alles spüren. Ich kann sogar meine Gedanken lenken. Was passiert hier?“ fragte sich die junge Frau.

Sie befand sich an einem Sandstrand in Südamerika in ihrem Traum. Die Sonne schien, es war warm, die Luft hatte die perfekte Temperatur für Claudette. Sie konnte die Wellen rauschen hören und das Salz in der Luft riechen und schmecken. Sie ging barfuss durch den Sand und genoss, wie das kühle Meerwasser ihre ganze Seele erneuerte.
Claudette legte sich nun auf einem Steg hin, um zu entspannen und die Umgebung zu genießen. Sie starrte in den wunderbar blauen Himmel und beobachtete die Möwen. Sie schlief sehr schnell dort auf dem Steg ein. Es war so, als hätte sie einen Traum im Traum.

In dem Traum im Traum fing sie an, hoch in die Luft zu schweben. Sie war schwerelos wie eine Feder und bemerkte, wie sie höher und höher in die Lüfte getragen wurde. Anfangs, fühlte sich das wunderbar an, aber nachdem sie eine beträchtliche Höhe gewonnen hatte, merkte Claudette, wie Panik in ihr aufkam. Was wäre nun, wenn sie auf einmal von dort oben herunter fallen würde? Aber während sie noch darüber nachdachte, bemerkte Claudette die Anwesenheit von einigen Wesen, die sie nicht anders als mit ‚Farbindianer’ bezeichnen konnte. Es war so, als hätten sie Claudette diesen Namen telepatisch vermittelt, weil sie ihn plötzlich in ihren Gedanken hatte.

Diese Wesen versicherten ihr, dass sie in Sicherheit war, obwohl sie sich ganz offensichtlich außerhalb der Erdatmosphäre befand. Sie konnte immer noch normal atmen und fühlte sich seltsamerweise sehr wohl. Alles war hier schwarz.
Jetzt fingen die ‚Farbindianer’ an, einen schimmernden, glitzernden Partikelstaub in die Luft zu werfen. Es schien ihr, als bestünde das Pulver aus allen Farben, die sie sich jemals vorstellen konnte.

Plötzlich ordneten die ‚Farbindianer’ diese Farbpartikel so an, dass sie ein erstaunlich reales, multidimensionales Bild der Realität wiedergaben – ein multidimensionales Bild von einem Ort in Italien und Claudette war mitten drin. Sie war sich nun nicht mehr sicher, ob sie wirklich in Italien war und nur alles andere erträumt hatte, oder ob dies eine unglaubliche Illusion war, die die ‚Farbindianer’ geschaffen hatten.

Innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde, wurde Claudette wieder zurück zu dem Platz im Universum gebracht, wo sich die ‚Farbindianer’ aufhielten. In diesem Moment wusste sie, dass etwas ganz erstaunliches passiert war. Sie wollte die ‚Farbindianer’ fragen, ob sie erklären konnten, wie sie das gemacht hatten. Anstatt zu antworten, warfen sie wieder eine Menge Partikel in die Luft.
Dieses Mal wurde Claudette nach Afrika transportiert, dann innerhalb der nächsten Sekunde, befand sie sich in einer multidimensionalen Realität in Japan. Jedes Mal, wenn die ‚Farbindianer’ die Partikel veränderten, befand Claudette sich an einem anderen Ort auf der Erde.

Claudette war fassungslos, dass sie innerhalb von Bruchteilen von Sekunden an den verschiedensten Orten der Erde sein konnte. Dies erfüllte sie mit einem Gefühl der Freude und Panik gleichzeitig. Was wäre, wenn sie nun in einem Teufelskreis fest hängt und die ‚Farbindianer’ sie unendlich um die Erde reisen ließen?
Was war das Leben überhaupt? Sie fing an, sich ernsthaft über ihr Leben Gedanken zu machen. War das Leben, welches sie bisher gelebt hatte, nur eine dieser willkürlichen Ansammlungen von multidimensionalen Partikeln? Hatten die ‚Farbindianer’ sie in ihre jetzige Realität in Atlanta gesteckt? War ihr Leben in Atlanta nur ein Traum und war sie nun aufgewacht?
Waren die ‚Farbindianer’ Gott? Waren sie die versteckten Puppenspieler, die alle Fäden in der Hand hatten? Sah Claudette gerade die ‚wirkliche’ Welt?
Was war überhaupt ‚real’?
Claudette war vollkommen sprachlos und verwirrt.

Aber bevor sie den Gedanken weiterdenken konnte, fühlte sie, wie sie anfing zu fallen. Sie fiel unkontrolliert wie ein Stein. Sie fiel und fiel und fiel. Sie fing an zu schreien und fühlte, wie ihr Herz anfing, wie wild zu pochen, der Schock ließ ihren Körper komplett erstarren. Das war’s! Jetzt würde sie bald irgendwo  aufprallen und sterben! Jeder Gedanke an Partikel, die ihre Realität formten, war vergessen. Sie wusste nur noch, dass sie gerade fiel und kurz davor war, zu sterben.

Claudette wachte jetzt innerhalb ihres Traums auf und merkte, wie sie immer noch auf dem Bootssteg lag. Sie war gerade im richtigen Moment aufgewacht, um zu verhindern, dass sie vom Steg ins Wasser fiel.
Sie hielt für einen Moment inne...Claudette erinnerte sich daran, dass sie gerade eben noch von ‚Farbindianern’ geträumt hatte – in einer anderen Wirklichkeit. Auf eine gewisse Art und Weise, war sie sehr erleichtert, dass es nur ein Traum gewesen sein musste – oder war dieser Traum doch real?  Eines war klar: Wenn sie nicht das Gefühl gehabt hätte zu fallen, wäre sie tatsächlich im ‚wirklichen Leben’, in Südamerika, von dem Bootssteg gefallen.
Sie schaute sich um und bemerkte einen Felsen. Dieser Felsen war an einer Stelle blau angemalt. Die Farbe sah noch frisch aus. Nach einmaligen testen, stellte sich das Blau auch als frisch heraus. Wer malte hier die Felsen blau an? Dann fing es an, Claudette zu dämmern! Vielleicht war das eine Nachricht der ‚Farbindianer’! Wollten sie ihr mitteilen, dass es sie wirklich gab?

Claudette war in Ekstase! Wenn das stimmte, dann war ihre gesamte Existenz anders, als sie es immer geglaubt hatte. Wenn dies wahr war, dann war alles, was sie bisher als wahr erlebt hatte nicht ‚wirklich wahr’. Es war bloß eine von vielen unterschiedlich möglichen Wahrheiten. Wie verrückt dieser Gedanke war!

Um alles noch ‚ver-rückter’ zu machen, wachte Claudette jetzt auch noch aus diesem Traum auf...oder war sie immer noch in einem ‚Traum innerhalb eines anderen Traumes’ gefangen?
Sie wusste nun nicht mehr, was sie denken sollte. Sich innerhalb eines Traums, der wiederum innerhalb eines Traumes war, zu befinden, fühlte sich so echt an wie das JETZT, in dem sich Claudette gerade befand. Verlor sie nun gerade ihren Verstand?
Wachte sie gerade aus einem anderen Traum auf, den sie gehabt hatte? Waren sich alle anderen um sie herum darüber bewusst, dass sie alle gemeinsam in einem Traum gefangen waren? War sie die einzige, die gerade erwacht war? Sie fühlte sich immer noch so normal wie gestern Morgen. Trotzdem – irgendetwas war anders.
Sie nahm den Moment, in dem sie sich gerade befand anders wahr. Sie bemerkte, dass sie sich möglicherweise gleichzeitig in mehreren Realitäten gleichzeitig befinden konnte. Wenn jemand versucht hätte, ihr dieses Konzept zu erklären, hätte sie diesem Gedankengang höchstwahrscheinlich nicht folgen können, geschweige denn erahnen können, welche Schlussfolgerungen man daraus ziehen könnte. Sie fing an zu verstehen: Es war tatsächlich möglich oder wenigstens theoretisch eine Möglichkeit, in mehreren Dimensionen gleichzeitig zu existieren, ohne es selbst zu bemerken.

„Zeit, einen netten virtuellen Kaffee zu trinken!“ dachte sie. „Lasst mich mal sehen, wie gut Ihr das Aroma des wunderbaren ‚Starbucks’ Kaffees reproduzieren könnt, ‚Farbindianer’!“
Mit einem Lächeln auf den Lippen, öffnete sie die Kaffeedose und inhalierte glückselig das Aroma der ‚echt’ riechenden ‚French Roast’ Mischung.

„Ich glaube, gerade jetzt habe ich das letzte Mal meinen Kaffee so richtig genossen!“ kicherte Claudette.

Der jetzige Moment schien relevanter für Claudette geworden zu sein. Sie machte sich nicht mehr so viele Sorgen über die Zukunft. Aber natürlich war sie gespannt, was als nächstes passieren würde. Sie fühlte sich nicht, als müsse sie irgendetwas gedanklich vorausplanen. Sie hatte keine Ahnung, wie die Zukunft sich ihr zeigen würde.
Der Traum hatte ihr verdeutlicht, wie schnell sich Dinge verändern können. Alles konnte innerhalb von Sekundenbruchteilen herumgedreht und verändert werden. Warum sollte sie Dinge planen, die eventuell gar nicht passieren würden? Warum sollte sie nicht einfach den Moment genießen und die Realität, in der sie sich gerade befand? Auch wenn sie das Gefühl hatte, keinen Einfluss auf die Wahl des Ortes zu haben, an dem sie sich gerade aufhielt, musste sie das beste aus der Situation machen. Sie fühlte keinen Druck mehr, etwas Bestimmtes tun zu müssen. Sie hatte die freie Wahl, zu entscheiden, was sie in ihrer virtuellen Realität machen wollte. Es lag an ihr, mit den ‚Wirklichkeitspartikeln’, mit denen sie in Berührung kam, zu arbeiten.
„Mensch! Ich wünschte, ich könnte mit jemandem, über diesen Traum sprechen!“ dachte sie. Es gab nicht viele Menschen in Claudettes Umfeld, die offen für ein derartiges Konzept wie es in diesem Traum nahe gelegt wurde, zu sein schienen.

Ihr Mann gehörte ganz offensichtlich nicht zu diesen Menschen. Als Claudette Teile ihres Traumes während des gemeinsamen Frühstücks erwähnte, war er so abwesend wie eine Person nur sein konnte. Der Traum interessierte ihn offensichtlich nicht. Es war wirklich traurig. Vielleicht hatte Claudette gerade ein wichtiges Geheimnis über das Universum, die Wirklichkeit im allgemeinen entdeckt und ihr Mann hatte nichts besseres zu tun, als zu gähnen, seinen Kopf abwesend zu schütteln und „Affen-Arsch“ vor sich hin zu murmeln, als wäre er vollkommen alleine in der Küche.

Wie sehr Claudette seine rücksichtslose Benutzung von Wörtern hasste! Er machte das immer wieder! Er dachte sich irgendwelche schwachsinnigen Wörter aus, die normalerweise entweder das Wort „Affen“ oder andere anale Ausdrücke beinhalteten. Diese Worte murmelte er dann stundenlang vor sich hin, wann immer er sich danach fühlte.
Nein, er war wirklich nicht mehr der Mann, in den sie sich einst verliebt hatte! In Momenten wie diesen, ekelte er sie mehr an als irgendeine andere Person auf der ganzen weiten Welt. Wie konnte sie es nur in Betracht ziehen, sogar intim mit einem Menschen zu werden oder mit einem Partner zu leben, der „Affen-Arsch“ sagte während sie gemeinsam frühstückten und während Claudette über die Grundlage ihrer Existenz nachdachte?
(...)